Ist das jetzt echt, oder was???

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Auf dem Weg von Österreich nach Rumänien durchqueren wir die endlose Weite der ungarischen Landschaften. Stunde um Stunde folgen wir der Autobahn, die sich wie eine weiße Schnur durch die Felder und Wälder schlängelt.

Wir möchten gerne pünktlich zum Unschooling Festival nach Dragus in Rumänien kommen, um alte Freunde aus Bali zu treffen und neue kennenzulernen. Also halten wir eigentlich nur für eine längere Mittagspause im Schatten des nächsten Baumes, bei der ich uns ein Mittagessen zubereite, Steve sich vom anstrengenden Fahren ausruht und die Kinder auf dem Feldweg Hexensuppe kochen.

  

  

Als wir gegen Nachmittag keine Lust mehr haben, zu fahren, biegen wir spontan die nächste Ausfahrt ab und machen uns auf die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Unbefestigte Wege führen vorbei an verlassenen Treibhäusern, winzigen ungarischen Siedlungen und goldbraunen Weizenfeldern. Spielende Kinder bleiben stehen und bestaunen, wie wir im Schrittempo versuchen, unser riesiges Wohnmobil sicher durch das unwegsame Gelände zu lenken. Ein wenig fühlen wir uns hier wie Aliens in einem weißen Raumschiff und ich hoffe nur, daß wir auf dem sandigen Untergrund nicht steckenbleiben. An Wenden ist auf den engen Wegen nicht zu denken. Angesichts der vielen großen Wachhunde und der Aufmerksamkeit, die wir hier auf uns ziehen, fahren wir also eine Weile weiter und hoffen auf eine uneinsehbare Stelle, an der wir nachts stehen bleiben können.

Einige Straßen weiter biegt ein kleiner Feldweg nach rechts ab, an dessen Ende ein Wäldchen zu erahnen ist. In diesem Moment bricht das Abendlicht wunderschön durch die grauen Wolken und verzaubert die Landschaft. Wir halten, um spontan auf dem abgeernteten Feld ein Foto zu machen.

  

Ich helfe den Kindern gerade auf einen Heuballen, als Steve auf einmal ungläubig lacht und ruft: „Hey, komm mal her und schau mal, was hier blüht!“ Die Wegränder sind gesäumt von Cannabispflanzen, die friedlich vor sich hin wachsen. Und nun fällt mir auch der unverwechselbare, süßliche Geruch auf, der die Abendluft durchzieht. Wir lachen und rätseln. Sind es Abkömmlinge einer illegalen Plantage, die nicht weit von uns entfernt liegt? Hat sie vielleicht der Bauer gepflanzt, um sich nach getaner Arbeit noch kurz einen durchzuziehen? Viel später erfahre ich, dass es sich um nicht um berauschende Marihuanapflanzen handelt, sondern um wilden Hanf, der in Europa beheimatet ist und wild überall dort wächst, wo er nicht ausgerottet wurde.

Wir sammeln die Heuballen bekletternden Kinder ein, fahren ein paar Meter weiter in den Wald und suchen nach einem geeigneten Halteplatz im Unterholz. Links von uns öffnet sich der Wald zu einer kleinen Lichtung. Als wir dort halten, erspähe ich hinter einem Hügel die Reste einer Ruine. Ein paar Holzschilder sind dort auch aufgestellt und erläutern geschichtliche Details zu Dschingis Khan und seinen Raubzügen durch Europa, speziell natürlich in Ungarn, im 12. Jahrhundert. Einige Grundrisse sind dort auch abgebildet. Wir stehen auf dem Gelände eines alten Klosters! „Wie spannend für die Kinder, eine Ausgrabung!“ denke ich und laufe ein paar Schritte um den Hügel herum, um zu sehen, ob wir dahinter vielleicht noch besser stehen können.

Hinter dem Hügel liegt die Ausgrabungsstätte direkt vor mir. Ich klettere den grasigen Abhang hinunter und will gerade über die ausgehobenen Gräben auf die andere Seite springen, als mich von unten etwas weißes anleuchtet. Ich traue meinen Augen kaum. „Steve! Zoe! Neo! Kommt mal her und schaut, was da liegt!“ Vor uns liegen offen dutzende Skelette in den ausgehobenen Gräben. Selbst ein Kinderskelett ist dabei. Die Kinder staunen und sind auch ein wenig eingeschüchtert.

Wir betrachten lange die Knochen und fragen uns, wer hier wohl begraben wurde? Auf den Schildern finden sich leider keine Details zu den Toten, die hier liegen. Sind es vielleicht Klosterbewohner, die den Raubzügen Dschinghis Khans zum Opfer fielen? Oder handelt es sich bei diesem Ort um einen Friedhof jüngerer Zeit? Leider ist am Sonntagabend niemand an der Ausgrabungsstätte, den wir fragen können, und die Toten behalten an diesem Tag ihr Geheimnis für sich.

Wir denken tatsächlich darüber nach, hier stehenzubleiben, aber den Kindern ist das dann doch zu unheimlich. Eine freundliche ungarische Familie zeigt schließlich uns den Weg zum verlassenen Busbahnhof in Bugac, wo wir für die Nacht stehen bleiben können.

An diesem Tag haben wir viel über Anatomie, Archäologie und Krieg gelernt. Ich weiß nun endlich, wer eigentlich Dschinghis Khan war, und wir haben abends noch lange mit Zoe über Leben und Tod gesprochen. Vorgefertigte Unterrrichtsstunden in Biologie und Geschichte waren heute nicht notwendig. Das Leben selbst gibt uns genug Möglichkeiten, hinzuzulernen und zu wachsen, wenn wir uns dafür öffnen!

Danke, Ungarn, für diesen aufregenden Tag!

PS. Für alle Reisefans: Hier findet ihr die Adresse und ein paar Infos zu den Ruinen von Bugac, die wir durch einen großen Zufall gefunden haben.

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