Unerwartete Begegnungen

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Endlose Sonnenblumenfelder rauschen im letzten Abendlicht an uns vorbei, während Steve unser Wohnmobil vorsichtig über die holprigen Landstraßen Rumäniens lenkt. Neo schläft schon seit einer Stunde friedlich mir gegenüber an sein weiches Kissen gelehnt. In der Ferne zuckt violettes Wetterleuchten lautlos über den Horizont. Zoe, die noch wach ist, kuschelt sich auf der Rückbank an mich. „Dauert es noch lange? Mir ist unheimlich, Mama.“

Ich prüfe das Navi auf meinem Handy. Mitten im Nirgendwo haben wir über eine App einen Stellplatz herausgesucht, der in der Nähe des kleinen Fährübergangs von Rumänien nach Bulgarien liegt: Ein verlassenes Feld, an einem schmalen Zufluss der Donau. Leise Zweifel überkommen mich. Obwohl wir bereits über zwei Stunden durch winzige Dörfer und nicht enden wollende Felder fahren, habe ich noch keine einzige geeignete Stellplatzmöglichkeit gesehen. Keinen Parkplatz, keinen Waldweg, einfach nichts!

Von Minute zu Minute wird es immer dunkler und die hellen Scheinwerfer unseres Wohnmobils sind die einzige Lichtquelle in der schwarzen Nacht. Angeleuchtete Insekten schwirren wie helle Irrlichter an unseren Fenstern vorbei. Wo werden wir gleich ankommen? Können wir das Feld überhaupt befahren? Viel hilft mir das Navi nicht. Ich sehe eine grüne Fläche neben einem Fluss und einer Straße, ansonsten: nichts.

Ich verdränge meine aufsteigende Unsicherheit. „Keine Angst. Noch zwanzig Minuten, dann sind wir da.“ Nachdem ich meine müde Tochter noch einmal fürsorglich zugedeckt habe, schläft sie endlich friedlich an meiner Schulter ein.

Wenig später erreichen wir die herausgesuchte Stelle. Vorsichtig biegt Steve im Schritttempo in einen von Schlaglöchern übersäten Feldweg. Wir fahren ein paar dutzend Meter, um ausreichend Abstand zur Straße zu halten. Der Wagen hält, und Steve öffnet die Tür, um noch einmal hinauszugehen. Wir können außer dem Weg wenig erkennen, aber alles scheint friedlich und verlassen. Ich trage die schlafenden Kinder ins Bett.

Plötzlich höre ich wütendes Hundegebell, das immer näher kommt. Hirtenhunde, schießt es mir durch den Kopf! Voller Sorge um Steve reiße ich die Tür auf, und tatsächlich: Wenige Meter entfernt höre ich leise Schafe blöken und ein unbestimmtes Gewirr von Flaschenklirren und Lachen. Aber: Kein Feuer, keine Lampen, zu sehen nichts als undurchdringliche Schwärze! In diesem Moment kommt Steve hinter dem Wohnmobil hervor, schlüpft schnell herein und sagt trocken: „ Wenn ich Du wäre, würde ich lieber die Toilette im Wohnmobil benutzen“. Der Hund ist nicht zu sehen, aber sein Knurren deutlich zu hören.

Ich möchte am liebsten woanders schlafen, aber über den Feldweg zurückzusetzen und einen neuen Stellplatz zu suchen ist im Stockfinstern leider keine gute Option. Mit einem mulmigen Gefühl schlafe ich schließlich unruhig ein. Vor meinem inneren Auge sehe ich riesenhafte Schäferhunde mit scharfen Reißzähnen und betrunkene Männer, die sich im Dunkeln an unser Wohnmobil heranpirschen. Nur der Gedanke an unsere Alarmanlage und die gut verriegelten Fenster lässt mich zur Ruhe kommen.

Am nächsten Morgen weckt uns Neo, der friert und noch müde im Schrank nach seinem Pullover sucht. Ich werfe einen Blick aus unserem Fenster. Ein weites Feld, hinter uns der im Morgenlicht glitzernde Fluss und Hunderte Schwalben, die durch die Luft jagen.

Eine kleine Baracke steht verlassen wenige Meter neben unserem Stellplatz. Zwei Pferde grasen friedlich auf der Wiese, ansonsten: Weit und breit niemand zu sehen.

 

Wir frühstücken und die Kinder und ich klettern die Uferböschung herab, um an dem langen Sandstrand des Flussufers zu spielen. Nach einiger Zeit hören wir das leise Klingeln von Glöckchen. Die Herde kehrt zurück! In der Ferne sehen wir den Schäfer, der eine bunt gemischte Herde von Schafen und Ziegen zurück zum Pferch treibt.

Dort angekommen, trennt er die Schafe von den Ziegen und beginnt mit Hilfe einer Frau und eines Mannes, die Tiere zu melken. Wir werden freundlich gegrüßt, ansonsten aber nicht weiter beachtet. Die knurrenden Schäferhunde entpuppen sich als freundliche, struppige Mischlinge, die sich über zugeworfene Essensreste freuen und alsbald im Schatten des Wohnmobils vor sich hin dösen.

Steve schnappt sich die Kamera und die Kinder und läuft mit beiden zur Baracke, um beim Melken zuzusehen. Die Kinder entdecken ein paar süße Hundewelpen, dürfen die Schafsmilch probieren und ich staune über die Stille der tiefenentspannten Herde. Wenig später trinken Steve und der Schäfer gemeinsam Kaffee und versuchen, sich über die Sprachgrenzen hinaus zu verständigen. Weit kommen wir leider nicht, noch nicht einmal den Namen des Schäfers können wir herausfinden. Wo wir hinwollen, gestikuliert er? „Bulgaria!“ Er versteht und bedeutet uns lächelnd mit Handzeichen, dass wir bei ihm herzlich willkommen sind. Wir dürfen gerne noch weiter stehenbleiben. Wir beschließen spontan, an diesem Nachmittag eine kleine Reisepause zu machen und erst am nächsten Morgen nach Bulgarien überzusetzen.

 

Wenig später bricht der Schäfer mit seiner Herde erneut auf. Die Kinder laufen ein Stück nebenher und er nimmt sich noch einmal extra die Zeit, um mir ein kleines Zicklein in den Arm zu geben, damit die Kinder es aus der Nähe sehen können. Das weiße Fell ist ganz weich und die Kinder streicheln entzückt über die samtige Nase.

Wir setzen das kleine Zicklein zurück auf den Boden und der Schäfer ruft den Tieren ein lautes Kommando zu. Die Herde hört ohne Ausnahme und setzt sich wieder in Bewegung. Nur zwei Hunde bleiben beim Camp und bewachen uns und die Baracke. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand. Nur der Wind und die Schwalben sind unsere ständigen Begleiter, ansonsten bleibt das Flussufer menschenleer.

Am nächsten Morgen trinken Steve und der Schäfer noch einmal einen Kaffee zusammen. Dann setzen wir uns ins Wohnmobil, bedanken uns mit Handzeichen für den schönen Tag und winken zum Abschied. Welch eine wunderbare, ungeplante Begegnung! Danke, Rumänien!

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